Sebastian im Interview

 

Nibelungen-Festspiele: Guido A. Schick und Sebastian Achilles: Zwei Könige über ihre Rolle

König Iring (Guido A. Schick, l.) und König Thüring (Sebastian Achilles) geleiten die Burgunder an den Hof Etzels.

König Iring (Guido A. Schick, l.) und König Thüring (Sebastian Achilles) geleiten die Burgunder an den Hof Etzels.

Von Christian Mayer

WORMS – Beide reden sie von „Heimat“, wenn sie zum Espresso über Worms erzählen, und man merkt, dass sie das nicht nur tun, weil es gerade „en vogue“ ist. Guido A. Schick sagt es, weil er nur 15 Kilometer Luftlinie von hier entfernt aufgewachsen ist. Sebastian Achilles sagt es, weil er bereits in den Festspiel-Jahren 2011 und 2012 mehrere Wochen lang in Worms gewohnt hat.

Gut 30 Jahre ist es jetzt her, dass der kleine Guido A. Schick zum ersten Mal auf den sprichwörtlichen Brettern, die die Welt bedeuten, gestanden hat – in der Theater-AG auf dem Gernsheimer Gymnasium, als Mackie Messer. Zurück in seine Heimatregion kehrt er jetzt als gestandener Schauspieler. „Worms hat sich extrem verändert – zum Positiven“, hat er in den vergangenen Wochen festgestellt. Er erinnert sich an Szenen aus seiner Jugend, als er zur Messe im Wormser Dom und anschließend ins Billard-Café gegangen ist. Wenn er von seinem Appartement in der Weststadt zu den Proben im Theater oder am Dom fährt, sei er einfach nur „fasziniert“ von der Stadt und den Menschen. „Jetzt definiert sich Worms wirklich als eine Nibelungenstadt!“

Sebastian Achilles hat Worms, nachdem er ein Jahr ausgesetzt hat, wieder so vorgefunden, wie er es 2012 verlassen hat. „Die Wormser, der Vannini – das war ein gutes Gefühl, ein warmes Gefühl, und zwar wetterunabhängig.“ Die Möglichkeit, noch einmal mit Dieter Wedel zusammenzuarbeiten, wollte er nutzen – trotz terminlicher Enge mit seinem Engagement beim Udo-Lindenberg-Musical „Hinterm Horizont“, bei dem er den Rockrebellen Elmar spielt. Dabei sei seine Festspiel-Rolle eine „gelungene Abwechslung“: „Beim Musical spiele ich siebenmal pro Woche das Gleiche. Das macht auch großen Spaß, aber hier kann ich mir – allein schon durch die klassische Sprache – einen ganz anderen Zugang erarbeiten“, so Achilles. „Dieter Wedel hat einen langen Atem, die Schauspieler an den Punkt zu führen, an dem er sie gerne haben möchte.“ Für Guido A. Schick ist sein Nibelungen-Engagement eine Rückkehr ans Theater nach einer langen Abstinenz, die er beim Film verbracht hat. „Ich fühle mich wahnsinnig wohl“, sagt er. In der Wedel-Inszenierung spielen Schick und Achilles die Könige Iring und Thüring, die von König Etzel unterworfen worden sind. Sie geleiten die Burgunder an den Hof Etzels. „Ein bisschen wie die Polizei“, erklärt Schick. Allerdings eine handlungsschwache Polizei: „Die beiden Könige sind von Etzel zu Marionetten degradiert worden“, so Achilles.

Die probenfreie Zeit nutzt Schick, um zu trainieren. In Hamburg will er einen Halbmarathon laufen; das will vorbereitet sein. Auch für Besuche bei seinen Eltern bleibt noch Zeit. „Die Rolle begleitet mich dabei immer, obwohl es ein anderes Arbeiten als beim Film ist. Wenn man sich am Theater zu sehr in eine Rolle verbeißt, ist das kontraproduktiv.“

Sebastian Achilles nickt, er kennt es auch, dass man sich in seiner Freizeit weiter mit der Rolle beschäftigt. „Ich habe mir im Vorfeld Nibelungen-Verfilmungen aus den 70er-Jahren angeschaut und die Textfassungen verglichen.“

Wormser Zeitung 10.07.2014